Auf Augenhöhe – 20 Tipps zum Schreiben für Kinder Teil 4

Wie transportieren Sie komplexe Fachthemen, eintönige Produktpräsentationen oder langatmige Gründerstorys so spannend, dass Kinder freiwillig und gefesselt weiterlesen? Die Antwort lautet: durch echtes Storytelling, das Verzicht auf leblose Datenwüsten und den Mut zu ungewöhnlichen Perspektiven.

Im vierten und letzten Teil unserer Blogserie dreht sich alles um den perfekten Spannungsbogen. Hier sind die Tipps 16 bis 20, mit denen Sie junge Leser bis zum allerletzten Satz begeistern.

16. Abgedroschene Vergleiche vermeiden

Vermeiden Sie Vergleiche, unter denen sich junge (und alte) Leserinnen und Leser ohnehin nichts vorstellen können. „Das Kreuzfahrtschiff wiegt so viel wie 5.000 Elefanten“ oder „Das Photovoltaik-Feld ist so groß wie 300 Fußballplätze“ helfen nicht weiter. Auch der Waldbrand, der eine Fläche in der Größe des Saarlandes vernichtet, sagt nichts aus. Wer kennt schon das Saarland? Solche Dimensionen übersteigen die Vorstellungskraft und besitzen keinen Informationsgehalt. Wenn Sie Vergleiche nutzen, bleiben Sie im vertrauten Horizont Ihrer Leserinnen und Leser. Schreiben Sie lieber: „Um von der einen zur anderen Seite des Photovoltaik-Feldes zu kommen, müsstest du zwei Stunden zu Fuß gehen.“

17. Gesichter und Geschichten

Sie werden sich sicher oft gefragt haben, ob dieses oder jenes Thema überhaupt für Kinder geeignet ist. Sie können über alles schreiben, sofern die Geschichte mit einer Person verbunden ist, zu der junge Leser eine emotionale Beziehung aufbauen können. Wenn Sie also über die Leistungsfähigkeit Ihres neuen Photovoltaik-Feldes in Nordafrika berichten, dann machen Sie eine Geschichte über den zwölfjährigen „Malik.“ Er lebt dort mit seiner Familie und braucht sein Trinkwasser nicht mehr mühsam von Hand aus dem Brunnen zu schöpfen. Denn die neue PV-Anlage treibt eine elektrische Pumpe an. Dadurch hat er viel mehr Zeit für die Schule, seine Hobbys und seine Freunde. Und wenn Sie über Ihr Minenprojekt in Kasachstan schreiben, dann berichten Sie nicht nur über die neueste Bohrtechnik, die es Ihnen erlaubt, in tiefere Erdschichten vorzudringen. Berichten Sie auch über einen jungen Auszubildenden, der idealerweise vom Alter her der große Bruder der Leserinnen und Leser sein könnte. Schreiben Sie über die Aufregung an seinem ersten Arbeitstag, warum er sein Bohrgerät so faszinierend findet und wie stolz seine Mutter auf ihn ist.

18. Trockene Datenlisten umgehen

Tiergeschichten sind bei Kindern besonders beliebt. Doch lesen sich viele Entwürfe wie eine Aneinanderreihung von Zahlen aus Wikipedia. Da heißt es dann: „Der Polarfuchs ist 50 bis 60 Zentimeter lang und wiegt drei bis fünf Kilogramm. Er ernährt sich von Lemmingen, Vögeln, Eiern und Beeren und kann im Winter seine Fellfarbe von Braun zu Weiß ändern.“
Das ist so spannend wie das Vorlesen einer Bedienungsanleitung. Nutzen Sie außergewöhnliche Fakten als erzählerischen Motor. Unter extremen Bedingungen fressen Polarfüchse beispielsweise die Hinterlassenschaften von Eisbären. Genau hier kann die Geschichte von Attila, dem Polarfuchs, beginnen, der sich morgens auf die mühsame Nahrungssuche begibt. Während er den ganzen Tag umherstreift, bietet sich die perfekte Gelegenheit, alle biologischen Informationen elegant in die Handlung einzubauen. Am Ende muss er mangels Beute doch auf die Ausscheidungen eines Eisbären zurückgreifen. Diese Erzählweise bleibt wesentlich länger im Gedächtnis als eine schnöde Zahlenaufzählung – gerade, wenn es einen kleinen „Schmunzel- oder Ekel-Faktor“ gibt.

19. Mitmach-Elemente einbauen

Ergänzen Sie Ihren Artikel mit einer Gelegenheit zum Mitmachen. Sie schreiben über Lebensmittel? Dann bieten Sie eine Seite mit passenden Kochrezepten an. Platzieren Sie auf der nächsten Seite ein Quiz mit Multiple-Choice-Fragen zum Inhalt. Nutzen Sie Mal- und Bastelanleitungen, Experimente, Rätsel oder Workshops, die thematisch passen. So erzeugen Sie auch außerhalb des Magazins Wirksamkeit. Spielerische Elemente sorgen dafür, dass der Beitrag besonders lange im Gedächtnis bleibt.

20. Cliffhanger nutzen

Kinder brechen das Lesen viel schneller ab als Erwachsene, sobald ein Text auch nur kurz langweilig wird. Nutzen Sie daher gezielt kleine Spannungsbögen am Ende eines längeren Abschnitts. Ein sogenannter Cliffhanger bricht die Handlung an einem spannenden Punkt ab oder stellt eine neugierig machende Frage. Das zwingt die jungen Leser gedanklich dazu, unbedingt weiterzulesen, um die Auflösung zu erfahren. So halten Sie die Lesemotivation bis zum allerletzten Satz hoch.

Das waren sie – 20 Tipps für Texte auf Augenhöhe! Welcher Tipp hat Ihnen für Ihre tägliche redaktionelle Arbeit am meisten geholfen? Gab es einen Aspekt, den Sie völlig neu betrachten? Ich freue mich ein letztes Mal auf Ihre Anregungen, Kritik und Kommentare hier unter der gesamten Reihe!