Auf Augenhöhe – 20 Tipps zum Schreiben für Kinder Teil 3

Das Reduzieren von Komplexität, das Finden von passenden Metaphern und das Vermeiden von abstrakten Begriffen erfordert beim Schreiben viel Zeit. Oft sogar deutlich mehr als bei einem Text für Erwachsene. Warum? Weil wir für Kinder Bilder im Kopf erschaffen müssen, statt uns hinter abstrakten Konzepten zu verstecken.

Im dritten Teil unserer vierteiligen Blogserie zeigen wir, wie Sie Texte durch die richtige Wortwahl lebendig machen und visuell so aufbereiten, dass Kinder dranbleiben. Hier sind die Tipps 11 bis 15 für packenden Kinder-Content.

11. Bildhafte Verben bevorzugen

Ersetzen Sie abstrakte Wörter und schwache Hilfsverben durch ausdrucksstarke Handlungen. Statt „Er ging schnell“ schreiben Sie besser „Er flitzte“ oder „Er sauste“. Das macht den Text dynamisch und erzeugt Bilder im Kopf. Achten Sie aber darauf, dass die Wortwahl keine kindischen Elemente enthält, um ältere Kinder und erwachsene Leser nicht zu verscheuchen. Hier möchte ich auch noch einmal auf den Abschnitt „Keine Verniedlichung“ aus dem ersten Teil hinweisen.

12. Nominalstil vermeiden

Vermeiden Sie lange Substantive, die auf „-ung“, „-heit“ oder „-keit“ enden. Machen Sie daraus lieber direkte Verben. Das befreit den Text von unnötigem Behördensprech und macht ihn lebendig. Schreiben Sie statt: „Nach der Durchführung der Reinigung des Raumes gab es eine Belohnung.“ besser: „Als das Zimmer sauber war, bekamen alle eine Belohnung.“ Das versteht jedes Kind sofort.

13. Absätze und Zwischentitel

Bleiwüsten wirken auf Kinder (und natürlich auch auf Erwachsene) abschreckend. Achten Sie darauf, Ihren Text optisch zu strukturieren. Verwenden Sie Initialen. Nutzen Sie kurze Absätze und zeichnen Sie wichtige Schlüsselwörter im VERSALSATZ oder durch Fettdruck aus. Verwenden Sie Zwischentitel – lieber zu viel als zu wenig. Sprechen Sie mit der Grafik: Vielleicht besteht die Möglichkeit, Abschnitte farblich zu unterlegen oder durch kleine Illustrationen zu trennen. Diese einfachen Mittel lockern den Text spürbar auf und machen ihn für die Zielgruppe deutlich zugänglicher.

14. Sinnlich schreiben

Texte sollten stets Bilder und Gefühle wecken. Nutzen Sie daher auch bei scheinbaren Nebensächlichkeiten eine bildhafte Sprache. Schreiben Sie nicht: „Am Nordpol herrschen im Winter Temperaturen von bis zu -40 °C.“ Formulieren Sie lieber lebendig: „Am Nordpol wird es im Winter bis zu ­-40 °C kalt. Da friert sogar die feuchte Atemluft der Forscher, und in ihren Bärten wachsen schwere Eiszapfen.“

15. Bildhafte Vergleiche aus der Erlebniswelt des Kindes benutzen

Wenn Sie über den Eintritt einer Raumkapsel in die Erdatmosphäre schreiben und erklären wollen, dass sich die Außenhülle durch die Reibung an der Luft extrem erhitzt, brauchen Sie eine passende Analogie aus der kindlichen Erlebniswelt. Fordern Sie die Leser zu einem kleinen Experiment auf: Sie sollen einmal schnell mit dem Daumen über ein Stück Stoff reiben. Durch dieses haptische Erlebnis verstehen Kinder sofort, dass Reibung Hitze erzeugt. Diese konkrete Handlungsanweisung geht weit über das bloße Lesen hinaus und sorgt dafür, dass die Information dauerhaft im Gedächtnis bleibt.

Welche Metaphern oder Vergleiche nutzen Sie besonders gerne, um komplexe Dinge einfach zu erklären? Teilen Sie Ihre besten Beispiele in den Kommentaren – ich bin gespannt auf Ihre Anregungen!