„Schreib du mir gerade mal was für Kinder.“ Diesen Satz hört man in Agenturen und Redaktionen ständig. Doch wer das schon einmal versucht hat, weiß: Kindgerechter Content ist die absolute Königsdisziplin. Es ist oft wesentlich schwieriger, komplexe Themen für junge Zielgruppen herunterzubrechen, als für Erwachsene zu schreiben. Wer Kinder erreichen will, muss ihren Erlebnishorizont verstehen und auf Augenhöhe kommunizieren.
Wie das gelingt? In dieser vierteiligen Blogserie gebe ich Ihnen 20 praxiserprobte Tipps an die Hand. Los geht es mit Teil 1 und den ersten fünf goldenen Regeln für erfolgreiche Kindertexte.
1. Fokus auf die Tweens
Richten Sie Ihren redaktionellen Fokus auf Kinder zwischen neun und vierzehn Jahren – die sogenannten „Tweens“. Genau diese Altersgruppe ist neugierig und empfänglich für fundierte Botschaften. Jüngere Kinder besitzen oft noch nicht das nötige sprachliche Niveau, um komplexe Zusammenhänge über den Text zu erfassen. Ältere Teenager können und wollen bereits wie Erwachsene angesprochen werden. Die Gruppe der Tweens bildet somit den perfekten „Sweet Spot“ für anspruchsvollen, aber kindgerechten Content.
2. Jugendsprache vermeiden
Vermeiden Sie aktuelle Jugendsprache. Sie laufen Gefahr, dass die Begriffe nicht wirklich passen und sich die jungen Leserinnen und Leser veralbert und angebiedert vorkommen. Nicht jedes Kind benutzt die gleichen Wörter. Jugendsprache funktioniert nur innerhalb einer bestimmten Peergroup. Dort wirkt sie identitätsstiftend. Wird sie von Außenstehenden genutzt, untergräbt das die Glaubwürdigkeit des gesamten Textes. Für Kinder ist der Artikel dann nur noch peinlich oder lächerlich.
3. Ironie vorsichtig einsetzen
Kinder entwickeln zwar früh ein Gespür für Zwischentöne und Humor, dennoch wird Ironie leicht missverstanden. Paradoxerweise müssen ironisch gemeinte Botschaften absolut eindeutig und unmissverständlich formuliert sein, damit die junge Zielgruppe sie richtig decodiert. Für alle Medienschaffenden bedeutet das: Auch wenn der Gag noch so schön ist, verzichten Sie im Zweifel lieber auf den doppelten Boden. Andernfalls verpufft die Botschaft komplett oder der Satz läuft ins Leere.
4. Direkte Ansprache
Sprechen Sie Ihre Leser direkt an, um Nähe und Aufmerksamkeit aufzubauen. Nutzen Sie Fragen oder Aufforderungen. Das bindet die junge Zielgruppe aktiv in das Gelesene ein. Besonders bei Workshops oder Mal- und Bastelanleitungen können Sie gerne das „du“ verwenden. Achten Sie aber darauf, niemals aufdringlich oder belehrend zu wirken. Formulieren Sie positiv. Verwenden Sie den Imperativ nur, wenn es wirklich gefährlich wird, zum Beispiel: „Schau niemals ohne Schutz direkt in die Sonne!“ oder „Zünde niemals Streichhölzer, Kerzen oder Brenner ohne die Aufsicht eines Erwachsenen an!“
5. Nicht nur die eigenen Kinder fragen
Es ist verlockend, aber fragen Sie nicht ausschließlich die eigenen Kinder nach der Qualität eines Textes. Sie erhalten dadurch nur eine sehr subjektive Einzelmeinung. Gerade Kinder in Bildungshaushalten sind sprachlich oft überdurchschnittlich begabt. Dafür sind andere besser in Mathe, oder die Talente liegen ganz woanders. Anstatt zu versuchen, den einen perfekten Text für alle zu schreiben, verfassen Sie lieber verschiedene Texte für unterschiedliche Altersklassen und Anspruchshöhen.
Wie sehen Ihre Erfahrungen aus? Hat Ihnen dieser Beitrag geholfen oder möchten Sie einen Aspekt ergänzen? Welche Hürden erleben Sie beim Schreiben für Kinder am häufigsten? Ich freue mich auf Ihre Anregungen und eine spannende Diskussion in den Kommentaren!
